Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) will die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen deutlich verringern. Von derzeit 93 Kassen sollen nach seinen früheren Aussagen höchstens 20, womöglich sogar nur zehn übrig bleiben. An diesem Ziel halte er fest. Wie der Umbau erfolgen soll, bleibt jedoch offen. Zunächst wartet Linnemann auf den Abschlussbericht der Finanzkommission Gesundheit Ende 2026.
Die Idee klingt zunächst plausibel: weniger Vorstände, weniger Doppelstrukturen, geringere Kosten. Doch so einfach ist die Rechnung nicht. Die Verwaltung macht nur knapp vier Prozent der gesamten GKV-Ausgaben aus. Zudem zeigt die Finanzkommission keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Kassengröße und Wirtschaftlichkeit. Auch eine große Kasse arbeitet nicht automatisch günstiger oder näher an den Versicherten.
Aus christlich-sozialer Gewerkschaftssicht, wie sie die DHV vertritt, darf eine Reform deshalb nicht bei den Beschäftigten beginnen. Hinter den vermeintlichen „Verwaltungsstrukturen“ stehen Menschen, die Versicherte beraten, Anträge bearbeiten und komplizierte Leistungsfragen klären. Gerade ältere, kranke oder pflegebedürftige Menschen brauchen erreichbare Ansprechpartner statt anonymer Großstrukturen.
Wo Zusammenschlüsse wirtschaftlich sinnvoll sind, sollten sie nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Voraussetzung sind aber frühzeitige Mitbestimmung, transparente Standortentscheidungen, Beschäftigungssicherung sowie verbindliche Tarif- und Sozialregelungen. Betriebs- und Personalräte müssen von Anfang an beteiligt werden.
Eine tragfähige Reform muss die Krankenversicherung dauerhaft finanzieren und die Versorgungsqualität verbessern. Arbeitsplätze abzubauen, ohne einen belastbaren Nutzen für Versicherte und Beitragszahler nachzuweisen, wäre keine Sanierung, sondern eine einseitige Verlagerung der Lasten.
V.i.S.d.P.: Harm Marten Wellmann
