CGB befürchtet parteipolitische Einflussnahme auf die Betriebsratswahlen im Superwahljahr 2026

Zwischen dem 1.März und dem 31.Mai finden in Deutschland turnusmäßig die nächsten Betriebsratswahlen statt. Bei diesen Wahlen geht es um die Vergabe von ca. 180.000 Mandaten in betrieblichen Interessenvertretungen. Der CGB befürchtet stärkere Einflussnahme politischer Parteien auf die Betriebsratswahl, insbesondere auch von der vom Bundesamt für Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuften AfD – Alternative für Deutschland. Vor dem Hintergrund der in diesem Jahr anstehenden fünf Landtagswahlen und Kommunalwahlen in Bayern, Hessen und Niedersachsen steht zu befürchten, dass gerade die AfD versuchen wird, sich über Mandate in Betriebsräten als Interessenvertretung der Arbeiterschaft darzustellen und Stimmung zu machen gegen die Regierenden und deren Parteien. 

Angesichts anhaltender Rezession, Massenabbau von Industriearbeitsplätzen und drohendem Sozialabbau wächst bei vielen Menschen die Zukunftsangst und sie werden empfänglicher für die Parolen extremistischer Stimmenfänger, die schnelle Lösungen versprechen, die in einer komplexen und komplizierten globalen Welt jedoch nicht existieren. Das gilt selbstverständlich auch bei den kommenden Betriebsratswahlen, bei denen sich die AfD gerne der Unterstützung des, im Jahr 2009 im Stammwerk der ehemaligen Daimler AG gegründeten und ihr nahestehenden, Vereins „Zentrum“ bedient, der sich selbst als „Die alternative Gewerkschaft“ bezeichnet. Eine sogenannte Alternative, die ebenso wenig wie alle anderen weder den Arbeitsplatzabbau verhindern, noch irgendwelche Lösungen anbieten konnte.

Wir als CGB sehen in der innerbetrieblichen Demokratie durch die Betriebsräte die konsequente Anwendung unserer demokratischen und verfassungsmäßigen Grundsätze auf der innerbetrieblichen Ebene. Diese Werte müssen wir aktiv schützen, um unsere Demokratie zu verteidigen und zu erhalten. Problematisch kann bei den Betriebsratswahlen werden, wenn verfassungsfeindliches Gedankengut unabhängig von welchem politischen Rand in die Betriebsratsstrukturen eindringt und die betriebliche Demokratie erodiert. Das Betriebsverfassungsgesetz macht dies leicht, da eine Betriebsratskandidatur weder eine Gewerkschaftszugehörigkeit voraussetzt noch eine Parteimitgliedschaft offenbart werden muss. Wer etwa auf einer Gewerkschaftsliste keine Berücksichtigung findet, kann ohne großen Aufwand auf einer eigenen Liste kandidieren. Zwar bedarf es zur Kandidatur einer Anzahl von Stützunterschriften, die Quote ist aber mit grundsätzlich einem zwanzigstel der wahlberechtigten Beschäftigten (5 Prozent) und maximal 50 Beschäftigten abhängig von der Betriebsgröße eine eher niedrige Hürde.

Wir als CGB stehen gemeinsam mit allen demokratischen Kräften für den Erhalt unserer freiheitlichen Demokratischen Grundordnung und werden auch bei den Betriebsratswahlen dafür eintreten, dass unsere Demokratie erhalten bleibt.

Der CGB ruft im Sinne unserer Demokratie alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf, ihre betrieblichen Mitbestimmungsrechte verantwortungsvoll wahrzunehmen, sich an den Betriebsratswahlen zu beteiligen und aktiv daran mitzuarbeiten, das Feld nicht den Extremisten zu überlassen.

 

LANDESVERBANDSTAG DES DHV MITTELDEUTSCHLAND: BILDUNG, TARIFARBEIT UND BETRIEBLICHE PRÄSENZ IM FOKUS

Der Landesverbandstag des DHV Mitteldeutschland fand im Hofgut Alt-Mörbitz bei Leipzig statt. Mitglieder aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, Vertreter des Landesvorstandes sowie Gäste des Hauptvorstandes des DHV – Die Berufsgewerkschaft e. V. kamen zusammen, um den Landesvorstand Mitteldeutschland zu Wählen und um Bilanz zu ziehen, aktuelle Herausforderungen zu bewerten und die strategische Ausrichtung des Landesverbandes für die kommenden Jahre festzuhalten.

Unter dem Motto „Wir machen weiter – gemeinsam stärken wir den DHV“ eröffnete der Landesvorsitzende Sebastian Gräfe die Veranstaltung. In den Berichten des Landesvorstandes und des Geschäftsführers wurde deutlich: Trotz der tiefgreifenden Einschnitte infolge des BAG-Urteils und der damit verbundenen strukturellen und mitgliederbezogenen Herausforderungen ist der DHV Mitteldeutschland handlungsfähig geblieben und hat seinen Kurs konsequent gehalten.

Stabilität in bewegten Zeiten

Die vergangenen Jahre waren geprägt von Unsicherheiten, Mitgliederverlusten und erheblichem Gegenwind. Dennoch ist es dem Landesverband gelungen, die Werte des DHV zu verteidigen, seine Handlungsfähigkeit zu sichern und neue Perspektiven zu eröffnen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Ehren- und Hauptamt, die klare strategische Ausrichtung sowie die Nähe zu den Mitgliedern erwiesen sich dabei als entscheidende Erfolgsfaktoren.

Tarifarbeit – tragende Säule der Gewerkschaftsarbeit

Die Tarifarbeit bleibt auch künftig der zentrale Kompass der Arbeit des DHV Mitteldeutschland. Der DHV verfolgt dabei bewusst einen eigenständigen Ansatz: Tarifverhandlungen werden nicht als Konfrontation verstanden, sondern als gemeinsamer Prozess zur Entwicklung nachhaltiger und verlässlicher Lösungen für Beschäftigte und Arbeitgeber.

In den vergangenen Jahren standen unter anderem Tarifverhandlungen und -überarbeitungen bei der AWO Thüringen, dem DRK Thüringen sowie weiteren DRK-Kreisverbänden im Mittelpunkt. Zahlreiche Einrichtungen arbeiteten an der Anpassung von Manteltarifverträgen und Entgeltstrukturen. Hervorzuheben ist ein herausragender Erfolg aus dem Jahr 2021: Eine Lohnerhöhung von zehn Prozent für rund 10.000 Beschäftigte sowie die Einführung einer festen Sonderzahlung in Höhe von 65 Prozent des Grundgehalts – ein Meilenstein der Tarifarbeit im Landesverband.

Ein weiterer wichtiger Schritt war die erfolgreiche Umsetzung des Anschlusses an den TVöD für AWO und DRK, der auf Forderungen aus dem Jahr 2019 zurückging und 2024 realisiert werden konnte. Die etablierten Tarifkommissionen leisteten hierbei einen entscheidenden Beitrag und ermöglichten 2025 die Überführung in neue Tarifsysteme, die den Beschäftigten langfristige Planungssicherheit bieten.

Sichtbarkeit durch Öffentlichkeitsarbeit

Neben der Tarifarbeit setzte der Landesverband verstärkt auf Öffentlichkeitsarbeit. Der DHV Mitteldeutschland war auf Berufs- und Jobmessen, beim Tag der Sachsen sowie bei betrieblichen Informationsveranstaltungen präsent. Mit klaren Positionen, sichtbaren Aktionen und direkter Ansprache wurde der DHV als verlässlicher Ansprechpartner für Beschäftigte und Betriebsräte wahrgenommen.

Betriebsratsbetreuung – Fundament der täglichen Arbeit

Die Betreuung der Betriebsräte bildet das Herzstück der Arbeit des DHV Mitteldeutschland. Unterstützt werden sowohl kleine örtliche Betriebsräte als auch große Gesamtbetriebsräte mit mehreren tausend Beschäftigten. Die Arbeit reicht von der Teilnahme an Betriebs- und Personalratssitzungen über Betriebsversammlungen bis hin zu intensiver individueller Beratung – persönlich vor Ort, telefonisch, schriftlich oder per Videokonferenz.

Ein besonderer Dank galt dem langjährigen Engagement von Manfred Werske, dessen Einsatz insbesondere an den Arbeitsgerichten in Chemnitz, Magdeburg, Erfurt und Leipzig maßgeblich zu zahlreichen Erfolgen beigetragen hat. Erzielte Vergleiche, gesicherte Arbeitsplätze und Abfindungen in erheblicher Höhe unterstreichen die Wirksamkeit dieser Arbeit.

Bildungsarbeit – stärkster Motor des Landesverbandes

Die Bildungsarbeit des DHV wird in den kommenden Jahren gezielt weiter ausgebaut und strategisch neu ausgerichtet. Der DHV plant, insbesondere in Mitteldeutschland und Bayern das Schulungsangebot sowohl für Betriebsräte als auch für Führungskräfte deutlich zu erweitern.

Inhaltlich sollen neben bewährten Grundlagen- und Aufbauseminaren verstärkt zukunftsorientierte Themen in den Mittelpunkt rücken. Dazu zählen insbesondere:

  • Künstliche Intelligenz und deren praktische Anwendung im betrieblichen Alltag
  • Psychische Gesundheit, Prävention und Resilienz am Arbeitsplatz
  • Kommunikation, Führung und Konfliktmanagement

Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Bayern. Dort sollen die Ursachen hoher Krankenstände, insbesondere in den Bereichen Logistik, Metallverarbeitung, Handel und Gesundheitswesen, fundiert analysiert und praxisnah aufgearbeitet werden. Ziel ist es, Führungskräfte und Betriebsräte gleichermaßen zu befähigen, gesundheitsfördernde Strukturen zu entwickeln, Fehlzeiten zu reduzieren und nachhaltige Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Die Schulungsangebote werden praxisnah konzipiert und verbinden rechtliche Grundlagen mit anwendungsorientierten Lösungsansätzen. Damit positioniert sich der DHV auch künftig als starker Bildungspartner für eine moderne, gesunde und zukunftsfähige Arbeitswelt.

Betriebsratswahlen und Projekte

In den Jahren 2024 bis 2026 begleitet der DHV –  Landesverband Mitteldeutschland zahlreiche Betriebsrats- und JAV-Wahlen, Betriebsversammlungen , Betriebsrätekonferenzen sowie Betriebsratssitzungen unter anderem bei EDEKA/DISKA, der AWO – Thüringen sowie in verschiedenen DRK- und Handelsbetrieben.

Ausblick

Der Landesverbandstag machte deutlich, dass der DHV Mitteldeutschland auch künftig auf drei starke Säulen setzt: eine verlässliche Hilfestellung bei der Tarifarbeit in allen betreuten Branchen, eine intensive Bildungsarbeit und eine enge, persönliche Betreuung der Mitglieder und Betriebsräte. Mit dieser klaren Ausrichtung wird der DHV Mitteldeutschland die Interessen der Beschäftigten auch in Zukunft wirkungsvoll vertreten.

Zum Abschluss wünscht der DHV allen eine besinnliche Weihnachtszeit sowie Ruhe und Erholung nach einem erfolgreichen Jahr 2026

 

 

 

Wandel im Handel – DHV Mitteldeutschland zu Gast bei der jährlichen Hornbach-Betriebsrätekonferenz

Am 2. Dezember 2025 durfte die DHV Mitteldeutschland erneut an der Betriebsrätekonferenz der Hornbach Baumarkt AG teilnehmen – gemeinsam mit rund 150 Betriebsrätinnen und Betriebsräten aus ganz Deutschland. Für uns war es eine besondere Ehre und ein Moment des Stolzes, bei einem Unternehmen vertreten zu sein, das mit über 25.000 Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern im Handel zählt und sich in diesem Jahr einmal mehr als Treiber eines tiefgreifenden Wandels präsentiert hat.

Digitalisierung im Handel – Chancen statt Belastung

Während viele Handelsunternehmen vor Digitalisierung und KI zurückschrecken, setzt Hornbach auf ein anderes Modell:
Technik soll entlasten, nicht zusätzlich belasten.

In der Versammlung wurden Programme vorgestellt, die Arbeitsabläufe vereinfachen, Prozesse beschleunigen und den körperlichen sowie psychischen Stress spürbar reduzieren. Aus Sicht der DHV ist das ein wichtiger Schritt, denn Digitalisierung darf nur dann „innovativer Fortschritt“ heißen, wenn sie bei den Beschäftigten ankommt.

Starke Betriebsräte sichern Mitbestimmung

Ein besonderer Dank gilt dem Gesamtbetriebsrat der Hornbach Baumarkt AG und vor allem den Vorsitzenden des GBR sowie den über 100 engagierten Betriebsrätinnen und Betriebsräten in den einzelnen Märkten, Logistikzentren und Kunden-Service-Centern. Ihr täglicher Einsatz stellt sicher, dass der technologische und strukturelle Wandel im Unternehmen nicht „von oben herab“, sondern im Sinne echter Mitbestimmung gestaltet wird.

Die enge und konstruktive Zusammenarbeit zwischen Unternehmensführung und Arbeitnehmervertretungen ist bei Hornbach vorbildlich – und ein deutliches Zeichen dafür, dass gelebte Sozialpartnerschaft auch in Zeiten großen Wandels möglich ist.

Mit Blick auf die BR-Wahlen 2026 wünscht die DHV allen Betriebsrätinnen und Betriebsräten viel Erfolg, eine starke Wahlbeteiligung und Rückenwind für ihre wichtige Arbeit. Wir freuen uns zugleich auf die mögliche Erweiterung um zwei zusätzliche Betriebsratsgremien in der Fläche, die die Mitbestimmung im Unternehmen weiter stärken werden. 

Großes Benefit-Paket – und weitere Verbesserungen angekündigt

Besonders positiv fiel das breite Paket an Benefits auf: Gesundheitsangebote, finanzielle Vorteile, Weiterbildungsprogramme und moderne Modelle der Arbeitszeitgestaltung sind nur einige Beispiele für das Innovative Programm bei Hornbach.
Die Unternehmensleitung kündigte zudem weitere Verbesserungen an – ein klares Bekenntnis zur Wertschätzung der Mitarbeitenden.

Ost-West-Gerechtigkeit bleibt Thema

Wie bereits in der Rede 2024 betont, ist die Angleichung der Arbeitsbedingungen zwischen Ost und West ein zentraler Punkt der DHV. Noch immer sind Belastungen im Osten höher, Strukturen schwächer und Krankenstände überdurchschnittlich.

Doch Hornbach sendet ein wichtiges Signal:
Man arbeitet an mehr Gerechtigkeit – Schritt für Schritt, aber spürbar. 

Hornbach „For Future“ – die Zukunft gemeinsam gestalten

Mit dem Zukunftskonzept „Hornbach For Future“ setzt das Unternehmen ein starkes Zeichen für Innovation, Digitalisierung, Verantwortung und echte Mitarbeiterorientierung. Ein zentraler Bestandteil dieses Ansatzes ist die aktive Beteiligung aller Beschäftigten – denn Zukunft wird bei Hornbach nicht nur geplant, sondern gemeinsam gestaltet.

Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Thema Künstliche Intelligenz. Das breite und komplexe Feld der KI wird im Unternehmen durch ausgewiesene Expertinnen und Experten des Tech-Teams von Hornbach verständlich und praxisnah vermittelt. In regelmäßigen Gesprächen schaffen sie Bewusstsein für Chancen und Risiken, geben Orientierung und unterstützen die Kolleginnen und Kollegen dabei, neue Technologien sicher und sinnvoll in ihren Arbeitsalltag zu integrieren.

Dieses Engagement begrüßt auch die DHV Mitteldeutschland, die zugleich auf ihre Seminarreihen zur Kommunikation, Konfliktbewältigung und zum Umgang mit neuen technologischen Entwicklungen verweist.

Das Wirken des Tech-Teams zeigt deutlich: Bei Hornbach stehen die Menschen im Mittelpunkt – und technische Innovation wird immer so gestaltet, dass sie den Beschäftigten echten Mehrwert bietet.

Im Rahmen von „Hornbach For Future“ werden zudem zahlreiche nachhaltige Maßnahmen umgesetzt. Mitarbeitende können künftig ihre Jobbikes und Elektrofahrzeuge auf Hornbach-Parkplätzen in ganz Deutschland laden – selbstverständlich zu einem attraktiven Vorteilspreis. Die Vorteilswelt für Hornbach-Mitarbeitende ist in der Branche einzigartig und stärkt die Wertschätzung gegenüber allen, die das Unternehmen täglich mitgestalten.

Mit einem breit angelegten Programm rund um erneuerbare Energien, innovativen Produkten, einem umfangreichen Sortiment sowie vielfältigen Dienstleistungen zeigt Hornbach eindrucksvoll, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und Zukunft aktiv zu leben.

Ein Blick zurück: Otmar Hornbach 1998

Bereits 1998 betonte Otmar Hornbach vor Marktmanagern:

„Wir können Märkte bauen – aber ohne Menschen bleibt alles nur Beton und Kabel. Zukunft entsteht durch Haltung.“

Diese Haltung prägt das Unternehmen bis heute – und war auf der Versammlung in jeder Phase deutlich spürbar. 

Fazit

Hornbach zeigt: Es geht auch anders: Digitalisierung mit Herz, Benefits mit Substanz, Mitbestimmung mit Wirkung – und ein klarer Wille zu fairen Bedingungen.

Für die beiden entsendeten Vertreter des DHV – Die Berufsgewerkschaft e.V. war es eine rundum gelungene Veranstaltung, bei der sie die Entwicklung erneut aktiv begleiten durften.

In aufschlussreichen Gesprächen trafen sie auf vielfältige Menschen aus den unterschiedlichsten Arbeitsbereichen. Dabei wurde deutlich, dass Arbeitgeber und Beschäftigte bei Hornbach stets auf Augenhöhe agieren.

Besonders die Bildungsarbeit und regelmäßigen Schulungen, nicht zuletzt durch die Betriebsräte, stellen einen wichtigen Baustein des Hornbach-Fundaments dar, der auch 2026 – getragen von den BR- Wahlen – weiterhin maßgeblich wirken wird.

Hierbei hat die DHV in Vertretung durch Herr Gräfe / Geschäftsführer DHV –Mitteldeutschland seine Unterstützung durch fachliche Expertise und individuell zugeschnittene Seminare angeboten.

Zum Abschluss wünscht der DHV allen eine besinnliche Weihnachtszeit sowie Ruhe und Erholung nach einem erfolgreichen Jahr 2025.

 

Kommentar eines christlichen Gewerkschafters – kritisch gegenüber Bärbel Bas

Es gehört zum Grundhandwerk einer Arbeitsministerin, zwischen Arbeitnehmer-Interessen und wirtschaftlicher Realität abzuwägen. Genau deshalb irritiert die jüngste Rhetorik von Bärbel Bas so sehr. Denn wer Sozialpartnerschaft stärken will, darf sie nicht mit unnötiger Polemik beschädigen. 

  1. Kampfbegriffe helfen niemandem – und schon gar nicht den Beschäftigten

Frau Bas schilderte auf dem Juso-Kongress, wie sie auf dem Arbeitgebertag angeblich von „Herren im Maßanzug“ ausgelacht worden sei. Das mag zugespitzt gemeint gewesen sein – aber es ist eine Form der Rhetorik, die Fronten verhärtet, statt Brücken zu bauen.

Ein christlicher Gewerkschafter weiß:

Sozialpartnerschaft lebt von Respekt, nicht von Pauschalurteilen.

Wer Arbeitgeber pauschal als Blockierer darstellt, trägt nicht zur Lösung der Probleme bei. Die Realität ist vielschichtiger: Ja, es gibt harte Interessengegensätze – aber genauso viele Arbeitgeber, die verantwortungsvoll handeln und soziale Stabilität ernst nehmen.

Das Wegwischen dieser Differenz ist kein politischer Mut – es ist politische Fahrlässigkeit.

  1. Der zentrale Fehler: Bas vermittelt ein falsches Verständnis von Finanzierung

Besonders bedenklich ist jedoch der inhaltliche Kern ihrer Aussagen zur Rente.

Frau Bas betonte, die Finanzierung des Rentenniveaus müsse „solidarisch“ über Steuern erfolgen – und sprach so, als sei Geld ein unerschöpflicher Pool, der nur politisch „richtig verteilt“ werden müsse.

Aber: Steuern fallen nicht vom Himmel.
Sie werden von Arbeitnehmern UND Arbeitgebern erwirtschaftet. Und zwar aus echter Wertschöpfung, nicht aus politischen Wunschbildern.

Wenn eine Arbeitsministerin so redet, als stünden staatliche Mittel unabhängig von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zur Verfügung, dann zeigt das ein besorgniserregendes Missverständnis über die Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft.

Ein christlicher Gewerkschafter darf klar sagen:
Soziale Gerechtigkeit entsteht nicht durch moralische Appelle alleine, sondern durch solide Finanzierung auf Basis realer Arbeit. 

  1. Bas ignoriert den Ursprung des Wohlstands – die Menschen, die ihn erwirtschaften

Es ist richtig und notwendig, die Interessen der Beschäftigten zu verteidigen.
Doch dazu gehört auch Ehrlichkeit:
Wenn Politik ständig neue „Solidarpakete“ schnürt, ohne klar zu benennen, wer sie am Ende bezahlt, verliert sie Vertrauen – gerade bei den Menschen, die täglich früh aufstehen, Steuern zahlen und die Wirtschaft am Laufen halten.

Arbeitgeber sind keine Feinde.
Arbeitnehmer sind keine Manövriermasse.
Staatliche Kassen sind keine Spardosen.

Dieser Dreiklang bildet die Balance, die Frau Bas in ihrer Rede leider verfehlt hat. 

  1. Kritik an Arbeitgebern ist legitim – aber nicht, wenn sie eigene Fehler verdecken soll

Statt über reale Finanzierungsprobleme der Rente zu sprechen, lenkt Bas den Blick auf angebliche Respektlosigkeit von Unternehmern.
Doch der Respektverlust beginnt dort, wo politische Verantwortungsträger selbst ausblenden, wie das System funktioniert, das sie verwalten sollen.

Wer wie Bas von steuerfinanzierter Rente spricht, ohne über Steuerbasis, Wirtschaftskraft, Fachkräftemangel oder Wettbewerbsfähigkeit zu sprechen, macht Gewerkschaftsarbeit schwieriger, nicht leichter.

Denn am Ende müssen wir als Gewerkschaften erklären, warum bestimmte Versprechen nicht haltbar sind.

  1. Ein christlicher Gewerkschafter erwartet Klarheit, Demut und Sachkunde

Christliche Sozialethik steht für Augenhöhe, Verantwortung und Wahrheit.
Dazu gehört:
✔ den Arbeitgeberverbänden auch harte Wahrheiten zu sagen – aber differenziert.
✔ die Lage der Rentenversicherung ehrlich zu erklären.
✔ zu wissen, woher Staatsgeld kommt und wer es erwirtschaftet.
✔ politische Führung zu zeigen, nicht politische Theaterdonner.

Frau Bas hat mit ihrer Rede diese Maßstäbe verfehlt. Nicht, weil sie sich für die Schwächeren eingesetzt hat – das ist richtig. Sondern weil sie das Vertrauen in die Kompetenz ihres Amtes beschädigt hat.

Wer soziale Sicherheit ernst meint, sollte weniger über „Maßanzüge“ reden – und mehr über tragfähige Lösungen.

Beurteilung und Stellungnahme des Christlichen Gewerkschaftsbundes (CGB) zur Diskussion um das aktuelle Rentenpaket der Bundesregierung

Das Rentenpaket ist aus Sicht des CGB ein  notwendiger Schritt zur sozialen Absicherung der Menschen in Deutschland. Der Christliche Gewerkschaftsbund (CGB) begrüßt die Initiative der Bundesregierung, die gesetzliche Rente zukunftssicher und sozial gerecht zu gestalten. Das jetzt diskutierte Rentenpaket ist ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der sozialen Säule unseres Staates und sendet ein klares Signal der Verlässlichkeit an alle Generationen.

Wir als CGB treten der, von der Jungen Union und Teilen der politischen Öffentlichkeit verbreiteten Verunsicherung und Kritik,  entschieden entgegen. Die Behauptung einer beispiellosen Benachteiligung der jungen Generation durch das aktuelle Paket ist aus unserer Sicht übertrieben und in weiten Teilen aus der Luft gegriffen.

Jede Generation seit Einführung der umlagefinanzierten Rente stand vor spezifischen demografischen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Die heute jungen Menschen profitieren von den Beiträgen der Elterngeneration und werden, ebenso wie frühere Generationen, ihren Teil zur Finanzierung der Renten leisten. Eine höhere Benachteiligung im Vergleich zu den Herausforderungen, die frühere Generationen bewältigen mussten, ist schlichtweg nicht gegeben.

Das Rentenpaket sichert das Rentenniveau und stabilisiert die Beiträge in einer Weise, die auch den künftigen Rentnerinnen und Rentnern eine verlässliche Basis bietet. Die getroffenen Entscheidungen sind ein Kompromiss, der die Lasten vertretbar auf die Schultern aller Beteiligten verteilt.

Für den CGB steht die Gerechtigkeit der Lebensleistung im Zentrum jeder Rentenreform. Menschen, die ihr gesamtes Leben lang hart gearbeitet und ihre Rentenbeiträge in die Solidargemeinschaft eingezahlt haben, verdienen eine Rente, die ihren Einsatz widerspiegelt und einen würdevollen Lebensstandard im Alter ermöglicht.

Die Maßnahmen der Bundesregierung, die das Rentenniveau stabilisieren, honorieren genau diesen lebenslangen Beitrag. Es ist zutiefst ungerecht, wenn langjährige Beitragszahler im Alter auf Grundsicherung angewiesen sind. Das aktuelle Paket wirkt dieser Ungerechtigkeit entgegen.

Wir als CGB fordern, dass die Ausgestaltung des Pakets sicherstellt, dass Brüche in der Erwerbsbiografie – etwa durch Pflege, Kindererziehung oder Krankheit – nicht zu einer dauerhaften Armutsfalle im Alter führen. Die Rente muss die Summe der Lebensleistung gerechter abbilden.

Das aktuelle Rentenpaket ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Es befriedet die Diskussion um das Rentenniveau und stärkt das Vertrauen in die gesetzliche Rente als zentrale Säule der Altersvorsorge.

Der CGB wird den weiteren Prozess konstruktiv begleiten und darauf achten, dass die Balance zwischen Generationengerechtigkeit, Beitragsstabilität und der Anerkennung der Lebensleistung dauerhaft gewährleistet bleibt.

 

Berlin, im November 2025

CGB Pressemitteilung: Wirtschaftliche Impulse und soziale Reformen

Sechs Monate neue Bundesregierung: CGB sieht verlangsamtes Tempo bei Sozialreformen und  Fordert die Umsetzung des „Deutschland-Pakts“ für die Beschäftigten

Nach sechs Monaten Regierungszeit unter Bundeskanzler Friedrich Merz zieht der Christliche Gewerkschaftsbund Deutschlands (CGB) ein differenziertes Fazit. Der CGB würdigt die eingeleiteten Wirtschaftsimpulse zur Stärkung des Standorts Deutschland, kritisiert aber das zögerliche Tempo und das noch mangelnde Engagement bei der konkreten sozialen Entlastung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

„Die Bundesregierung hat in den ersten sechs Monaten wichtige Weichen in der Wirtschafts- und Energiepolitik gestellt. Die klaren Signale für Investitionen und Bürokratieabbau sind erkennbar und finden unsere Zustimmung“, erklärt Henning Röders, Bundesvorsitzender des CGB. „Dies sind notwendige Schritte, um die Wettbewerbsfähigkeit in schwierigen Zeiten zu sichern. Allerdings beobachten wir mit Sorge, dass der soziale Ausgleich und die direkten Entlastungen für die hart arbeitenden Menschen noch nicht die Priorität erfahren haben, die sie angesichts von hoher Inflation und Lebenshaltungskosten verdienen.”, so Henning Röders weiter.

Der CGB sieht insgesamt eine verhalten positive Gesamtbilanz mit der deutlichen Mahnung, dass die soziale Flanke dringend gestärkt werden muss.

„Wir dürfen die soziale Gerechtigkeit nicht auf die lange Bank schieben, denn die soziale Frage spaltet die Gesellschaft mehr denn je. Der Arbeitnehmer ist nicht nur Kostenfaktor, sondern der zentrale Leistungsträger unseres Wohlstands in Deutschland. Wir brauchen eine Politik, die Wachstum und die Menschen gleichermaßen in den Vordergrund stellt, ohne sie gegeneinander auszuspielen.“, ergänzt der Generalsekretär Christian Hertzog.

Der CGB fordert die Bundesregierung auf, ihren wirtschaftlichen Fokus durch konsequente soziale Maßnahmen zu ergänzen und den „Deutschland-Pakt“ auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmer auszuweiten. Dazu ist die Anpassung der Steuerpolitik an die realen Belastungen der Arbeitnehmer überfällig. Wir als CGB fordern die rückwirkende und zügige Beseitigung der kalten Progression im Jahr 2025 sowie die Einführung eines progressiven Inflationsausgleichs, der die Kaufkraft der Löhne nachhaltig sichert.

Die Sozialpartnerschaft ist seit dem Bestehen der Bundesrepublik Deutschland das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Deren Wertschätzung muss über Rhetorik hinausgehen. Die Regierung muss die Tarifautonomie durch erweiterte Allgemeinverbindlichkeit und die Anerkennung von Gewerkschaftspluralismus stärken. Außerdem muss die Rolle der Betriebsräte insbesondere bei Fragen der Transformation, etwa wie KI-Einführung oder Qualifizierung,  gesetzlich ausgebaut werden.

Der CGB wird die weitere Entwicklung der Legislaturperiode genau beobachten. „Die Richtung stimmt wirtschaftlich, aber das Tempo im Sozialen ist zu niedrig. Wir fordern Kanzler Merz und sein Kabinett auf, die Zeit jetzt für einen sozialen Kraftakt zu nutzen, der den Fleiß und das Engagement der Beschäftigten honoriert“, erklärt Henning Röders.

 

Warum Gewerkschaften echte Nachhaltigkeit statt Greenwashing brauchen

Moin! Neulich auf einer Betriebsversammlung: Die Geschäftsführung präsentiert stolz die neue „Nachhaltigkeitsstrategie“ – bunte Folien, CO2-Kompensationen irgendwo in Südamerika, ein paar Recycling-Tonnen mehr. Die Kolleginnen und Kollegen? Applaudieren pflichtschuldig. Die Gewerkschaft? Nickt zustimmend. Und ich denke: Moment mal, ist das wirklich unser Job? 

Der Elefant im Raum

Lassen wir uns nichts vormachen: Wenn Gewerkschaften auf den Nachhaltigkeitszug aufspringen, ohne genau hinzuschauen, machen wir uns zu nützlichen Idioten des Greenwashings. Wir legitimieren dann mit unserem guten Namen Maßnahmen, die vor allem eins sind – gutes Marketing. Dabei haben wir als Gewerkschaften eine verdammt wichtige Aufgabe, wenn es um echte Transformation geht. 

Was ist denn eigentlich „vernünftige“ Nachhaltigkeit?

Vernünftige Nachhaltigkeit aus gewerkschaftlicher Sicht bedeutet: Sie muss die Beschäftigten mitnehmen, nicht zurücklassen. Sie schafft gute, sichere Arbeitsplätze in zukunftsfähigen Branchen oder macht die Branche zukunftssicher. Sie bedeutet Weiterbildung statt Entlassung. Sie heißt Mitbestimmung bei der Transformation, nicht Pressemitteilungen nach vollendeten Tatsachen.

Blanker Aktionismus dagegen? Das sind die symbolischen Papiertüten im Supermarkt, während die Lieferketten weiter fragwürdig bleiben und Biosiegel selbst gestaltet werden können und „regional“ bis 500 km bedeutet. Das sind Elektro-Dienstwagen für die Führungsetage, während noch gute Lebensmittel weiter klimaschädlich entsorgt werden müssen. Das ist die „klimaneutrale“ Versandoption beim Online-Händler, der seine Paketboten zu Hungerlöhnen beschäftigt. 

Der Just-Transition-Imperativ

Wir stehen vor der größten Transformation der Arbeitswelt seit der Industrialisierung. Branchen verschwinden, neue entstehen. Wer jetzt nicht aufpasst, erlebt ein Déjà-vu des Strukturwandels der 90er Jahre – nur in Grün. Dann heißt es wieder: „Tut uns leid, aber der Markt, die Klimaziele, ihr versteht schon…“

Echte gewerkschaftliche Nachhaltigkeitspolitik stellt unbequeme Fragen:

  • Wer zahlt für den Umbau – die Beschäftigten oder die Profiteure jahrzehntelanger umweltschädlicher Geschäftsmodelle?
  • Welche Qualifikationen brauchen Beschäftigte für „grüne“ Jobs, und wer finanziert die Weiterbildung?
  • Wie sichern wir gute Arbeitsbedingungen in neuen „grünen“ Branchen – oder wiederholen wir die Fehler der Plattformökonomie?
  • Warum sollen Beschäftigte Verzicht üben, während Konzerne weiter nur „greenwashed“ weitermachen wie bisher? 

Greenwashing erkennen und bekämpfen

Gewerkschaften haben die Kompetenz und die Position, echte von falscher Nachhaltigkeit zu unterscheiden. Wir sitzen in Aufsichtsräten, Betriebsräten, an Verhandlungstischen. Wir können nachprüfen, ob hinter den grünen Versprechen echte Veränderung oder nur PR steckt.

Ein Beispiel: Ein Unternehmen feiert seine „klimaneutrale Produktion“. Man schaut genauer hin und fragt: Wurde tatsächlich CO2 eingespart oder nur kompensiert? Wurden die Emissionen outgesourct? Welche sozialen Standards gelten in der Lieferkette? Wurden Beschäftigte in die Planung einbezogen? Entstehen durch Automatisierung und K.I. neue Gefährdungen? 

Die soziale Dimension der Nachhaltigkeit

Hier liegt der Kern gewerkschaftlicher Verantwortung: Nachhaltigkeit ist kein rein ökologisches Projekt. Die UN-Nachhaltigkeitsziele umfassen gute Arbeit, faire Löhne, Geschlechtergerechtigkeit. Wenn wir zulassen, dass „Nachhaltigkeit“ auf CO2-Bilanzen reduziert wird, während Arbeitsrechte geschleift werden, haben wir versagt.

Die Solarbranche in Deutschland ist ein warnendes Beispiel. Grüne Technologie, subventioniert mit Milliarden – aber am Ende in Billiglohnländer ausgelagert, weil niemand für gute Arbeitsbedingungen gekämpft hat. Das darf uns bei Windkraft, Batterieproduktion und Wasserstoff nicht noch einmal passieren. 

Was Gewerkschaften jetzt tun müssen

Erstens: Expertise aufbauen. Wir brauchen gewerkschaftliche Nachhaltigkeitsexpertinnen, die mitverhandeln können, wenn es um Transformationspfade geht.

Zweitens: Rote Linien ziehen. Keine Zustimmung zu Nachhaltigkeitsstrategien ohne verbindliche Beschäftigungssicherung, Qualifizierung und Mitbestimmung.

Drittens: Kritischen Dialog fördern mit Arbeitgeberverbänden, Politikern, Umweltverbänden, Klimabewegung, Sozialorganisationen – aber auf Augenhöhe und mit klaren sozialen Forderungen.

Viertens: Den Diskurs nicht überlassen. Wenn wir nicht definieren, was gerechte Transformation bedeutet, tun es andere – meist nicht in unserem Sinne. 

Das Fenster schließt sich

Die kommenden Jahre entscheiden, ob die ökologische Transformation sozial gerecht gelingt oder auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird. Gewerkschaften, die jetzt für billigen Aktionismus applaudieren, werden später nichts mehr zu verhandeln haben. Die Weichen werden jetzt gestellt.

Deshalb: Schluss mit dem grünen Feigenblatt. Gewerkschaften müssen unbequem sein, nachfragen, nachrechnen, nachhaken. Wir sind keine Abteilung der Unternehmenskommunikation. Wir vertreten die Interessen derer, die morgens zur Arbeit gehen – und das auch in zwanzig Jahren noch tun wollen, unter guten Bedingungen, in einer lebenswerten Umwelt.

Das ist echte Nachhaltigkeit. Alles andere ist Folklore.

 

Harm Marten Wellmann

 

 

H&M-Filiale in Nürnberg schließt – Beschäftigte vor unzumutbarer Situation

DHV: Vorgehen der Geschäftsführung ist moralisch nicht vertretbar

Nürnberg – Die bevorstehende Schließung der H&M-Filiale in der Nürnberger Innenstadt setzt die Beschäftigten massiv unter Druck. Erst im Mai 2024 war ein weiteres Geschäft derselben Kette in unmittelbarer Nähe eröffnet worden, doch die Mitarbeitenden des alten Standorts sollen nicht automatisch übernommen werden. Stattdessen sollen sie sich auf neue Stellen am anderen Standort bewerben, allerdings zu veränderten Konditionen und ohne jede Garantie einer Anstellung. Viele Betroffene arbeiten seit Jahrzehnten für das Unternehmen, das ihnen nun faktisch die berufliche Zukunft entzieht.

Die DHV – Die Berufsgewerkschaft – bewertet dieses Vorgehen als bewusst kalkuliert und moralisch nicht vertretbar. Nach ihrer Einschätzung handelt die Geschäftsführung auf Kosten der langjährigen Beschäftigten, deren Einsatz und Loyalität die Basis des Unternehmens bilden. Es sei unzumutbar, Mitarbeitende nach jahrelanger Betriebszugehörigkeit vor die Wahl zu stellen, entweder völlig unsichere Perspektiven zu akzeptieren oder Arbeitsbedingungen zu übernehmen, die weit unter den bisherigen Standards liegen.

Die psychische Belastung der Belegschaft ist erheblich, da viele Mitarbeitende älter sind und gesundheitliche Probleme haben. Für diese Personen sei es fast unmöglich, alternative Arbeitsplätze zu finden. Zugleich liegen die angebotenen Stellen teilweise weit entfernt, obwohl erst vor kurzem eine neue H&M-Filiale in Nürnberg eröffnet hat, oder erfordern Arbeitszeitmodelle, die insbesondere alleinerziehende Mitarbeitende kaum vereinbaren können.

Aus Sicht der DHV verfolgt die Geschäftsführung eine berechnende Strategie, die darauf abzielt, Mitarbeitende, die nicht flexibel genug sind, auszusondern und gleichzeitig die Bedingungen für die verbleibenden Beschäftigten zu verschlechtern. Wirtschaftsexperten bestätigen, dass solche Methoden zwar rechtlich schwer angreifbar sein können, moralisch jedoch nicht zu rechtfertigen sind. Es handele sich um eine bewusste Benachteiligung älterer Mitarbeitender oder solcher mit gesundheitlichen Einschränkungen, die auf ein systematisches Kalkül der Unternehmensleitung hindeutet.

H&M begründet das Fehlen eines Sozialplans damit, dass die Vorstellungen von Arbeitgeberseite und Betriebsrat zu weit auseinanderlägen, und verweist darauf, dass gesetzliche Vorgaben eingehalten würden und Mitarbeitende sich auf offene Stellen bewerben könnten. Die DHV weist jedoch darauf hin, dass gesetzliche Korrektheit allein moralische Verantwortung nicht ersetzt und dass wirtschaftliche Interessen nicht über die Würde und die Existenz der Beschäftigten gestellt werden dürfen.

Für die DHV bleibt die Situation ein klarer Beleg dafür, dass die Geschäftsführung von H&M skrupellos und verantwortungslos handelt, indem sie langjährige Mitarbeitende unter Druck setzt, um sich betriebliche Vorteile zu verschaffen, während sie die soziale Verantwortung völlig außer Acht lässt. Dieses Vorgehen ist nicht nur symptomatisch in Nürnberg, sondern auch an anderen Standorten der Kette H&M zu verfolgen. 

Erfolgreicher DHV-Landesgewerkschaftstag in Duisburg

„Gewerkschaft 5.0 und Digitalisierung“ – DHV NRW setzt Zeichen für die Zukunft

Duisburg, 18. Oktober 2025 – Unter dem Leitmotto „Gewerkschaft 5.0 und Digitalisierung“ fand in Duisburg der Landesgewerkschaftstag 2025 des DHV-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen statt. Die Delegiertenversammlung blickte auf vier herausfordernde, aber erfolgreiche Jahre zurück und stellte die Weichen für eine digitale und innovative Zukunft der Gewerkschaftsarbeit.

Prominente Grußworte unterstreichen politische Bedeutung

Nach der Eröffnung durch den Landesvorsitzenden André Kunza würdigten hochrangige Gäste die Arbeit des Landesverbandes. DHV-Bundesvorsitzender Henning Röders und GTL-Bundesvorsitzender Ralf Vüllings überbrachten ihre Grußworte persönlich. Schriftliche Grüße kamen unter anderem vom Landtagspräsidenten André Kuipers, dem Arbeitsminister Karl Josef Laumann für die Landesregierung sowie dem CGB-Landesvorsitzenden NRW Bernhard Cwiklinski.

Bilanz einer außergewöhnlichen Wahlperiode

In seinem Tätigkeitsbericht zeichnete Geschäftsführer Harm Marten Wellmann das Bild einer Gewerkschaft, die aus der Krise gestärkt hervorging. Nach dem Verlust der Tarifberechtigung im Juni 2022 verwandelte der DHV NRW die Herausforderung in eine beispiellose Transformation. Statt Mitgliederschwund zu erleiden, blieben die Zahlen konstant – ein Beweis für das Vertrauen der Mitglieder.

Der Landesverband etablierte sich als digitaler Vorreiter: Mit über 6.500 Instagram-Followern seit 2022, einer engagierten Facebook-Community und als eine der ersten deutschen Gewerkschaften auf TikTok erreicht der DHV NRW monatlich rund 300.000 Menschen. Die Erfolgsquote von über 80 Prozent in arbeitsrechtlichen Verfahren und die gestärkte politische Lobbyarbeit mit direktem Draht zum NRW-Arbeitsministerium rundeten die positive Bilanz ab. Das Tarifverfahren liegt weiterhin beim Europäischen Gerichtshof – der DHV wartet auf eine positive Entscheidung, um wieder vollumfänglich als Tarifpartner agieren zu können.

Geschlossener Vorstand – Klares Mandat für die Zukunft

Die Wahlen bestätigten das bewährte Führungsteam: André Kunza wurde als Landesvorsitzender wiedergewählt, ebenso sein Stellvertreter Peter Schütt, Landesrechner Harm Marten Wellmann und Schriftführer Thomas Schrader. Als Beisitzer wurden Sabine Bondzio, Helmar Hinrichs, Martin Flintrop, Karl-Heinz Rosenfeld, Joachim Drößler und Marc Will gewählt. Aus dem Landesvorstand ausgeschieden sind Angelika Will und Peter Zander.

Henning Röders übernahm das Amt des Tagungspräsidenten. Die Stimmzählung oblag Sabine Bondzio und Yvonne Boese. Alexander Raeder und Joachim Seegers wurden als Rechnungsprüfer bestätigt, Josef Czok ist neues Aufsichtsratsmitglied. Zudem wurden die Bundesgewerkschaftsdelegierten für die Periode 2025-2029 gewählt.

Wegweisende Anträge für eine moderne Gewerkschaft

Der Gewerkschaftstag beschloss nach intensiver Diskussion mehrere zukunftsweisende Anträge, die das Profil des DHV schärfen:

Soziale Gerechtigkeit im Fokus:

  • Beitragsreduzierung für ehemalige Soldatinnen und Soldaten sowie Dienstleistende
  • Ermäßigte Beiträge für ehrenamtlich tätige Mitglieder
  • Einführung eines Rentenbeitrags für aus dem Berufsleben ausgeschiedene Mitglieder

Digitalisierung und Zukunftsthemen:

  • Einrichtung eines DHV-Bundeshaushaltspostens für Digitalisierung, Social Media und Öffentlichkeitsarbeit
  • Positionierung zur Künstlichen Intelligenz in der Arbeitswelt: Unterstützung statt Verdrängung des Menschen

Gesellschaftspolitische Impulse:

  • Initiative zur sozial gerechten und generationenfesten Reform des Rentensystems
  • Forderung nach leistungsorientierter Reform des Bürgergelds/der Grundsicherung unter dem Motto „Bürgergeld/Grundsicherung darf sich nicht lohnen“

Alle Anträge wurden nach konstruktiver Debatte und teilweise kleinen Änderungen einstimmig angenommen.

Ausblick: Bereit für die Zukunft

In seinem Schlusswort betonte der Landesvorsitzende André Kunza die Stärke der Gemeinschaft: „Wir haben bewiesen, dass wir jede Krise in eine Chance verwandeln können. Die DHV lässt sich nicht unterkriegen – gemeinsam sind wir unaufhaltbar.“

Der Landesgewerkschaftstag 2025 sendet ein klares Signal: Der DHV NRW ist nicht nur gewappnet für die digitale Zukunft der Arbeitswelt – er gestaltet sie aktiv mit. Mit solidarischen Mitgliedern, politischer Schlagkraft und innovativen Konzepten steht der Landesverband bereit für die kommenden Herausforderungen.

Glück auf DHV!

Der gewählte Landesvorsitzende Andre Kunza (li.) und sein Stellvertreter Peter Schütt

Jobangst – Wenn die Sicherheit schwindet

Die Schlagzeilen der letzten Wochen lesen sich wie ein Déjà-vu aus Krisenzeiten: Bosch streicht 13.000 Stellen, ZF baut 7.600 Jobs ab, Lufthansa will 4.000 Beschäftigte weniger. Während Politiker von einem zarten Aufschwung sprechen, erleben viele Beschäftigte genau das Gegenteil – Verunsicherung, Stillstand, Angst.

Laut einer aktuellen Umfrage für FOCUS online fürchtet inzwischen jeder sechste Erwerbstätige in Deutschland, in den nächsten zwölf Monaten den Job zu verlieren. Besonders betroffen sind junge Menschen: Bei den 16- bis 18-Jährigen sind es ganze 26 Prozent, bei Auszubildenden sogar 39 Prozent. Wer gerade erst ins Berufsleben startet, spürt die Unsicherheit am deutlichsten.

Energiepreise, Politik, Ausland – die Hauptsorgen

Die Gründe liegen auf der Hand. Mehr als ein Viertel der Befragten nennt die hohen Energiepreise als größte Gefahr für Arbeitsplätze. Weitere 22 Prozent machen die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung verantwortlich, 18 Prozent sehen die Verlagerung von Produktion ins Ausland als Hauptproblem.

Auch das Vertrauen in die Politik bröckelt: Obwohl Kanzler Friedrich Merz und seine Regierung die Wirtschaft zur „Chefsache“ erklärt haben, glauben nur 23 Prozent der Bürger, dass sie Arbeitsplätze in Deutschland langfristig sichern kann. Die große Mehrheit ist skeptisch.

Was jetzt zählt: Zusammenhalt

Gerade in solchen Zeiten zeigt sich, wie wichtig Zusammenhalt ist. Wenn Unternehmen sparen, Personal abbauen und Zukunftsängste wachsen, hilft es nicht, allein dazustehen. Eine Gewerkschaft ist kein Anachronismus – sie ist der Rückhalt, den man braucht, wenn die Zukunft unsicher wird.

Die DHV – Die Berufsgewerkschaft ist genau für diese Situationen da. Sie vertritt Beschäftigte in Handel, Banken, Versicherungen, Dienstleistung und Verwaltung – also genau jene Gruppen, die bei großen Umstrukturierungen oft übersehen werden. Sie unterstützt, wenn Arbeitsplätze wackeln, kämpft für faire Bedingungen und steht ihren Mitgliedern juristisch und menschlich zur Seite.

Sicherheit kommt von unten

Sicherheiten, die früher selbstverständlich waren, gibt es nicht mehr. Aber man kann selbst etwas dafür tun. Wer sich organisiert, hat eine Stimme – und wer sich zusammenschließt, wird gehört. Jobangst lässt sich nicht weg reden. Aber sie lässt sich bekämpfen – mit Solidarität, mit Engagement, mit einer starken Gemeinschaft. Denn am Ende gilt:
Wer allein kämpft, kann verlieren. Wer gemeinsam kämpft, kann gewinnen – in der DHV.