Der Haushaltsdiscounter Kodi steht erneut vor einem tiefen Einschnitt. Rund 50 der noch 150 Filialen könnten geschlossen werden. Damit droht nach dem bereits 2024 vollzogenen Abbau von mehr als 500 Stellen ein weiterer erheblicher Arbeitsplatzverlust.
Die Kodi Handels GmbH beschäftigt derzeit rund 1.200 Menschen, darunter 72 in der Oberhausener Zentrale und 36 in der Logistik. Das Amtsgericht Halle hat die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. Alle Filialen bleiben zunächst geöffnet; Löhne und Gehälter sind für Juli bis September über das Insolvenzgeld abgesichert. Welche Standorte und wie viele Stellen konkret betroffen sein werden, ist noch nicht entschieden. Die Geschäftsführung nennt schwachen Konsum, Online-Konkurrenz sowie hohe Energie-, Miet- und Lohnnebenkosten als Ursachen.
Kodi ist kein Einzelfall. Depot schließt nach seiner zweiten Insolvenz 66 Filialen; mindestens 330 Beschäftigte verlieren ihre Arbeit, weitere Stellen entfallen in der Zentrale. Das EHI Retail Institute registriert zugleich Insolvenzen, Rückzüge und vollständige Marktaustritte zahlreicher Handelsketten. Dass neue Anbieter einzelne attraktive Großstadtlagen besetzen, ersetzt die verlorenen Arbeitsplätze in den Regionen nicht.
Eine Eigenverwaltung darf deshalb nicht allein an der Zahl fortgeführter Filialen gemessen werden. Erforderlich sind frühzeitige Beteiligung der Beschäftigtenvertretungen, transparente Standortkriterien sowie belastbare Sozialpläne und Transferangebote. Kapitalgeber und Eigentümer müssen einen angemessenen Sanierungsbeitrag leisten. Wer bereits eine Restrukturierung mitgetragen hat, darf bei der nächsten Krise nicht wieder zuerst die Rechnung bezahlen.
V.i.S.d.P.: Harm Marten Wellmann
