Commerzbank mit Rekordgewinn: Stellenabbau bleibt der politische Preis

Die Commerzbank legt mitten im Übernahmekampf mit UniCredit Rekordzahlen vor. Im ersten Halbjahr 2026 stieg das operative Ergebnis um 14 Prozent auf 2,73 Milliarden Euro. Der Nettogewinn erreichte 1,81 Milliarden Euro, rund 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Für 2026 erwartet die Bank mindestens 3,4 Milliarden Euro Gewinn.

Die starke Bilanz soll die Eigenständigkeit untermauern. Doch UniCredit hat sich nach Ablauf ihres Übernahmeangebots rechnerisch mehr als 44 Prozent der Commerzbank-Anteile gesichert. Die Übertragung eines Teils der Aktien und Stimmrechte steht noch unter behördlichen Vorbehalten. Neue Gespräche zwischen beiden Instituten gelten als wahrscheinlich. Eine vollständige Integration könnte vor allem durch Doppelstrukturen bei Zentralfunktionen, IT und Verwaltung zusätzliche Arbeitsplätze gefährden.

Auch die eigenständige Strategie ist für die Belegschaft teuer. Bis 2030 will die Commerzbank konzernweit weitere rund 3.000 Stellen brutto abbauen. Hinzu kommen die bereits bis 2028 vorgesehenen 3.900 wegfallenden Vollzeitstellen, überwiegend in Deutschland. KI, Automatisierung und natürliche Fluktuation sollen den Umbau erleichtern. Mit den Arbeitnehmervertretungen wurden Altersprogramme und weitere Eckpunkte vereinbart.

Der Widerspruch bleibt: Während Stellen verschwinden, plant die Bank einen Aktienrückkauf von bis zu 1,2 Milliarden Euro und will praktisch den gesamten bereinigten Jahresgewinn an Anteilseigner zurückgeben. Eine erfolgreiche Abwehrstrategie darf jedoch nicht auf Beschäftigtenabbau beruhen. Vorstand, Betriebsrat und Gewerkschaften müssen verbindlich sichern, dass Digitalisierung zu Qualifizierung und neuen Aufgaben führt. Die Zukunft einer für Mittelstand und Außenhandel wichtigen Bank verlangt soziale Partnerschaft, nicht bloß höhere Renditeziele.

V.i.S.d.P.: Harm Marten Wellmann