Die Tarifrunde im Handel hat erneut begonnen. Die DHV – Die Berufsgewerkschaft verfolgt die laufenden Verhandlungen aufmerksam.
Unsere Position ist klar: Die Beschäftigten im Handel verdienen einen Tarifabschluss, der ihnen angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten ein spürbares Reallohnplus bringt! Die Arbeitgeber sind aufgefordert, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und ein Angebot vorzulegen, das der Leistung von Millionen Beschäftigten in Verkauf, Logistik und Verwaltung entspricht.
Gleichzeitig erleben die Beschäftigten erneut einen Tarifkonflikt, der nach einem inzwischen vertrauten Muster abzulaufen scheint. Große und laute Forderungen werden präsentiert, Warnstreiks angekündigt, Verhandlungen unterbrochen und der „öffentliche Druck“ erhöht. Man fühlt sich fast an den berühmten Satz aus dem Silvesterklassiker Dinner for One erinnert: „The same procedure as every year.“
Die entscheidende Frage lautet jedoch nicht, wie laut die Tarifauseinandersetzung geführt wird, sondern welches Ergebnis am Ende für die Beschäftigten erreicht wird! Aus Sicht der DHV muss sich jede Gewerkschaft an ihrer tatsächlichen Durchsetzungskraft messen lassen. Maßstab sind nicht Pressemitteilungen oder Warnstreiks allein, sondern die Frage, ob es gelingt, für die Beschäftigten nachhaltig bessere Arbeits- und Einkommensbedingungen zu erreichen.
Ein Blick auf die vergangenen Tarifrunden zeigt jedoch, dass zwischen den ursprünglichen Forderungen und den letztlich erzielten Abschlüssen teilweise erhebliche Unterschiede bestanden. Die Beschäftigten dürfen deshalb nicht unbedingt erwarten, dass die verhandelnde Gewerkschaft ihre Ankündigungen am Ende auch mit entsprechenden Ergebnissen untermauert.
Wir hoffen dennoch, dass die diesjährige Tarifrunde zu einem Ergebnis führt, das den Erwartungen der Beschäftigten gerecht wird. Gerade diejenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die täglich unter hoher Arbeitsbelastung den Handel am Laufen halten, haben einen Tarifabschluss verdient, der ihren Einsatz angemessen honoriert.
Eines bleibt jedoch ebenfalls festzustellen, dass der Organisationsgrad im Handel seit Jahren rückläufig ist, sowie die Tarifbindung: Es ist davon auszugehen, dass circa 90 Prozent der Beschäftigten im Handel nicht Mitglied der verhandelnden Gewerkschaft sind. Auch dies sollte Anlass sein, über die Ursachen nachzudenken und darüber, wie gewerkschaftliche Interessenvertretung wieder mehr Beschäftigte erreichen kann.
Eine starke Arbeitnehmervertretung lebt letztlich vom Vertrauen der Beschäftigten – und dieses Vertrauen muss immer wieder neu verdient werden. In diesem Sinne wird sich die DHV auch künftig für faire Löhne, gute Arbeitsbedingungen und eine glaubwürdige, ergebnisorientierte Interessenvertretung der Beschäftigten einsetzen.
V.i.S.d.P.: Harm Marten Wellmann
