Vollversammlung der BGHW in Erfurt: Prävention, Digitalisierung und moderne Selbstverwaltung im Fokus

Die Vollversammlung der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) hatte sich am 20. Mai 2026 in Erfurt mit einer Vielzahl zukunftsweisender Themen für den Arbeits- und Gesundheitsschutz im Handel und in der Warenlogistik befasst. Im Mittelpunkt standen die Weiterentwicklung der Prävention, die Digitalisierung der Unfallversicherung sowie aktuelle Herausforderungen für die Selbstverwaltung.

Der Vorstandsvorsitzende betonte in seinem Bericht die stabile Entwicklung der BGHW und hob insbesondere die Bedeutung einer praxisnahen Präventionsarbeit hervor. Die Geschäftsführung unterstrich anschließend die wirtschaftlich solide Lage der Berufsgenossenschaft sowie die zunehmenden Anforderungen durch Digitalisierung, Fachkräftemangel und veränderte Arbeitsbedingungen in Handel und Warenlogistik.

Ein besonderer Akzent wurde mit dem Vortrag „Gehörlos bei der BGHW“ gesetzt. Dabei wurde deutlich, wie wichtig Barrierefreiheit, Teilhabe und inklusive Arbeitsbedingungen auch innerhalb der gesetzlichen Unfallversicherung sind. Die Präsentation stieß auf große Aufmerksamkeit und verdeutlichte den Anspruch der BGHW, Vielfalt und Chancengleichheit aktiv zu fördern.

Breiten Raum nahmen die Präventionsthemen ein. Die Vertreterinnen und Vertreter befassten sich unter anderem mit der Fortführung der digitalen Kampagne „komm gut an.“, die künftig in den Regelbetrieb überführt werden soll. Ziel bleibt es, Beschäftigte insbesondere auf Arbeitswegen und im Straßenverkehr stärker für Unfallrisiken zu sensibilisieren. Diskutiert wurde außerdem der Einfluss von Cannabis auf Sicherheit und Konzentration in Intralogistik und Verkehr – ein Thema, das angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Auch die Rolle künstlicher Intelligenz im Arbeitsschutz rückte stärker in den Fokus. Mit dem KI-Modul im „Kompendium Arbeitsschutz“ will die BGHW moderne Technologien künftig stärker für Prävention und Wissensvermittlung nutzen. Parallel dazu wurden die Überarbeitung der DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ sowie weitere Anpassungen im Vorschriften- und Regelwerk beraten.

Darüber hinaus beschäftigte sich die Vollversammlung mit organisatorischen und sozialpolitischen Fragen. Im Zusammenhang mit der Sozialwahl 2023 wurde der Schlussbericht des Bundeswahlbeauftragten beraten und die Bedeutung der Selbstverwaltung innerhalb der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung hervorgehoben. Ebenso standen Änderungen der Dienstordnung, unter anderem zur Homeoffice-Pauschale, auf der Tagesordnung.

Zum Abschluss wurde unter dem Punkt „Joachimsthaler Erklärung“ die gemeinsame Verantwortung der Selbstverwaltung für einen modernen, praxisnahen und zukunftsfesten Arbeitsschutz betont. Die Vollversammlung machte damit deutlich: Die BGHW will den Wandel in Arbeitswelt und Gesellschaft aktiv gestalten – mit Prävention, Digitalisierung und sozialpartnerschaftlicher Selbstverwaltung als zentralen Leitlinien.

 

Starke Wirtschaft braucht starke Arbeitnehmer

Gerade diese Balance zwischen wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und sozialer Verantwortung droht zu­nehmend verloren zu gehen. Wenn in politischen Debatten fast nur noch über Wettbewerbsfähigkeit, Lohnkosten, Sozialabgaben, Effizienz und Kapitalmärkte gesprochen wird, entsteht bei vielen Beschäf­tigten der Eindruck, dass sie vor allem als Kostenfaktor betrachtet werden. Doch Arbeit ist weit mehr als ein bloßer Produktionsfaktor.

Für christliche Gewerkschaften steht der Mensch im Mittelpunkt– nicht allein die wirtschaftliche Verwertbarkeit seiner Arbeitskraft.

Besonders sensibel ist deshalb die aktuelle Diskussion über längere Lebensarbeitszeiten und die Finan­zierung der Rentenversicherung. Natürlich darf die Realität nicht verdrängt werden: Immer weniger Bei­tragszahler finanzieren immer mehr Rentner. Darüber muss offen und ehrlich gesprochen werden. Aber die Antwort darf nicht einfach lauten: „Dann müssen die Menschen eben länger arbeiten.“ Viele Beschäf­tigte leisten bereits heute körperlich und psychisch schwere Arbeit – in der Pflege, im Handwerk, auf dem Bau, in der Industrie, im Schichtdienst, im Einzelhandel oder in der Logistik. Wer jahrzehntelang gearbeitet hat, verdient Respekt, Anerkennung und Sicherheit im Alter. Eine christliche Gewerkschaft sagt deshalb klar: Arbeiten im Alter kann eine Chance sein – aber niemals ein gesellschaftlicher Zwang. Richtig ist zugleich, dass Unternehmen bessere Rahmenbedingungen brauchen. Hohe Energiepreise, langwierige Genehmigungsverfahren und übermäßige Bürokratie belasten viele Betriebe massiv, insbe­sondere den Mittelstand. Deshalb unterstützen auch christliche Gewerkschaften schnellere Verfahren, Digitalisierung, Investitionen, moderne Infrastruktur und eine innovationsfreundliche Politik. Aber wirt­schaftliche Entlastung darf niemals bedeuten, Arbeitnehmerrechte abzubauen, die Mitbestimmung zu schwächen, Tarifstandards unter Druck zu setzen oder soziale Leistungen zu kürzen. Die Stärke Deutsch­lands lag immer darin, wirtschaftlichen Erfolg und soziale Stabilität gemeinsam zu denken.

Die christliche Soziallehre kennt weder den entfesselten Markt noch einen überdehnten Sozialstaat. Sie setzt auf Solidarität, Subsidiarität, Eigenverantwortung, Gemeinwohl und soziale Gerechtigkeit. Das be­deutet: Leistung muss sich lohnen, und unternehmerisches Engagement verdient Anerkennung. Aber ebenso gilt: Starke Schultern müssen mehr tragen als schwache. Gerade in Krisenzeiten darf der gesell­schaftliche Zusammenhalt nicht verloren gehen.

Viele Menschen erleben heute große Unsicherheit. Steigende Mieten, hohe Lebenshaltungskosten, Sor­gen um die Rente, Fachkräftemangel und zunehmende Belastungen im Arbeitsalltag prägen den Alltag vieler Familien. Hinzu kommen fehlende Kinderbetreuung, hohe Belastungen bei Pflege und Erziehung sowie Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eine zukunftsfähige Politik muss des­halb nicht nur die Wirtschaft stärken, sondern auch Familien entlasten, Bildung verbessern, Tarifbindung stärken, gute Arbeitsbedingungen sichern und sozialen Aufstieg ermöglichen.

Deutschland hat enorme Stärken: leistungsfähige Unternehmen, engagierte Beschäftigte, starke indust­rielle Kerne, innovative Forschung und einen Mittelstand, um den uns viele Länder beneiden. Diese Stär­ken können wir nutzen. Aber dafür braucht es Vertrauen und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die christliche Gewerkschaftsbewegung steht deshalb für einen Weg der Mitte: wirtschaftlich vernünftig, so­zial verantwortlich, reformbereit, aber immer menschenorientiert.

Denn am Ende entscheidet nicht allein die Höhe des Wirtschaftswachstums über die Zukunft unseres Landes. Entscheidend ist auch, ob Menschen das Gefühl behalten, dass Leistung anerkannt wird, soziale Sicherheit verlässlich bleibt, Arbeit Würde bedeutet und der gesellschaftliche Zusammenhalt stärker ist als Angst und Spaltung.

Gerade dafür braucht Deutschland auch in Zukunft starke christliche Gewerkschaften!

 

Walk of Care – Friedliche Protestaktion zum Tag der Pflege in Erfurt

Am 12.05.2026 fand in Erfurt anlässlich des Internationalen Tages der Pflegenden die friedliche Protestaktion „Walk of Care“ unter solidarischer Beteiligung des DHV-Landesverbands Mitteldeutschland statt. Veranstalter der Aktion war die Valde Vita Franke & Müller Pflegedienst GbR aus Erfurt Zahlreiche Pflegekräfte, Unterstützerinnen und Unterstützer sowie engagierte Pflegeeinrichtungen setzten gemeinsam ein starkes und sichtbares Zeichen für die Zukunft der Pflege.

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Interview mit dem CGB Bundesvorsitzenden Henning Röders: Arbeitszeitflexibilisierung und Fachkräftesicherung im Diskurs

Redaktion: Herr Röders, die Forderungen der Arbeitgeberverbände nach einer grundlegenden Reform des Arbeitszeitgesetzes werden immer lauter. In einem aktuellen Gespräch mit der parlamentarischen Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, Frau Connemann, wurde diese Thematik erneut forciert. Wie bewerten Sie die Bestrebungen, den gesetzlichen Rahmen zugunsten einer stärkeren Flexibilisierung aufzubrechen?

Henning Röders (CGB): Frau Connemann vertritt hier die klassische Position des Wirtschaftsministeriums: Sie sieht in der Flexibilisierung der Wochenarbeitszeit eine existenzielle Überlebensfrage für das Handwerk und die Gastronomie. Wir stehen dieser Entwicklung jedoch äußerst skeptisch gegenüber. Eine Ausweitung auf 12- oder 13-Stunden-Arbeitstage lehnen wir entschieden ab. Solche Arbeitszeiten führen zwangsläufig dazu, dass die notwendigen Erholungsphasen unterschritten werden.

Redaktion: Interessanterweise ist das Arbeitszeitgesetz in seinen Grundzügen seit Jahrzehnten stabil. Wenn wir die 1980er, 1990er und die frühen 2000er Jahre betrachten, schienen die Betriebe unter exakt diesen Bedingungen funktionsfähig zu sein. Warum wird die gesetzliche Regelung heute als Hindernis dargestellt, während sie früher offenbar kein Problem war?

Henning Röders (CGB): Das ist der entscheidende Punkt in der Debatte. Das Gesetz ist nicht vom Himmel gefallen, sondern hat sich über Jahrzehnte bewährt. In den 80er und 90er Jahren war es für Bäckereien unter denselben rechtlichen Bedingungen völlig unproblematisch, nachts um 03:00 Uhr oder 04:00 Uhr mit der Arbeit zu beginnen. Auch die Sonntagsöffnungszeiten im Bäckerhandwerk oder späte Wochenenddienste in der Gastronomie ließen sich personell abdecken. Damals war jedoch die wirtschaftliche Nachfrage nach diesen Dienstleistungen höher und – was noch wichtiger ist – die Arbeitsbedingungen wurden von den Menschen akzeptiert. Das Problem ist also nicht eine mangelnde gesetzliche Flexibilität, sondern die gesunkene Attraktivität der Rahmenbedingungen unter den aktuellen gesellschaftlichen Vorzeichen.

Redaktion: Das bedeutet, der Fachkräftemangel ist aus Ihrer Sicht kein Resultat starrer Gesetze, sondern ein Spiegelbild veränderter Prioritäten auf dem Arbeitsmarkt. Warum lassen sich junge Menschen heute kaum noch für diese Branchen gewinnen?

Henning Röders (CGB): Die Analyse zeigt, dass die Branche nicht mehr mit den Lebensentwürfen vor allem junger Fachkräfte harmoniert. Der „Hase im Pfeffer“ liegt in der mangelnden Standortattraktivität der Betriebe. So ist ein Arbeitsbeginn um 04:00 Uhr morgens in einer Bäckerei ist für viele Nachwuchskräfte im Vergleich zu anderen Berufsfeldern kaum noch vermittelbar. Zudem steht die Gehalts- und Lohnstruktur steht in vielen Betrieben in einer Diskrepanz zur hohen zeitlichen und körperlichen Belastung.

Redaktion: Abschließend gefragt: Wenn Sie eine Deregulierung des Arbeitszeitgesetzes ablehnen, welchen Weg müssen die betroffenen Branchen dann einschlagen, um personell wieder handlungsfähig zu werden?

Henning Röders (CGB): Anstatt den gesetzlichen Schutzrahmen zu schwächen, müssen die Branchen die Attraktivität ihrer Arbeitsplätze erhöhen. Wer unter Fachkräftemangel leidet, muss aktiv auf potentielle Interessenten zugehen und die Gehalts- und Lohnbedingungen verbessern. Die Lösung liegt in der Aufwertung der Arbeit, nicht in der Ausweitung der Arbeitszeit. Nur durch bessere Bedingungen lässt sich die Bereitschaft erhöhen, auch zu Randzeiten oder an Wochenenden tätig zu sein.

Redaktion: Wir danken Henning Röders herzlich für dieses Gespräch und die klaren Worte zur Verteidigung der Arbeitnehmerrechte.

CGB: „Augen vor der Realität zu verschließen, hilft niemandem!“

Der Christliche Gewerkschaftsbund Deutschlands (CGB) begrüßt die deutlichen Worte von Bundeskanzler Friedrich Merz beim Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) am 12. Mai 2026 in Berlin. In einer wirtschaftlich und gesellschaftlich herausfordernden Zeit sei es notwendig, Probleme offen anzusprechen und den Mut zu echten Reformen aufzubringen.

Die ablehnenden Reaktionen der anwesenden Delegierten auf die Rede des Bundeskanzlers sind für den CGB-Bundesvorsitzenden Henning Röders unverständlich. „Pfiffe und Buhrufe sind kein Mittel einer sachorientierten Auseinandersetzung im Rahmen eines lösungsorientierten politischen Dialogs. Diesen braucht aber Deutschland unbedingt . Denn wer heute die Augen vor der Realität verschließt und an überholten Strukturen festhält, handelt nicht im Interesse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Deutschland braucht Reformen, diese müssen ausgewogen, sozial verantwortlich und mit Augenmaß sein. Aber ein Festhalten am Status quo hilft niemandem.“

Der Bundesvorsitzende der Christlichen Gewerkschaften betonte, dass wirtschaftliche Stärke, soziale Sicherheit und die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland nur gemeinsam erreicht werden könnten. „Statt Buh-Rufe und Pfeifkonzerte zu organisieren, wäre es wünschenswert gewesen, wenn die anwesenden Gewerkschaftsfunktionäre dem Bundeskanzler genauer zugehört hätten. Dann wäre bei ihnen auch die zentrale Botschaft seiner Rede hängen geblieben: Es geht nur zusammen!“

Durchaus diskussionswürdig hält der CGB die Aussagen des Bundeskanzlers zur Einführung einer kapitalgedeckten Alterssicherung. Damit könnte ein wichtiger Schritt hin zu mehr Vermögensbildung und Teilhabe der Beschäftigten eingeleitet werden. Der CGB-Bundesvorsitzende erklärte dazu: „Es ist ausdrücklich zu begrüßen, dass der Bundeskanzler die kapitalgedeckte Alterssicherung nicht nur als finanzpolitische Reform versteht, sondern auch als gesellschaftspolitische Chance. Die stärkere Beteiligung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern am Produktivvermögen unserer Volkswirtschaft ist überfällig und entspricht dem Gedanken einer modernen sozialen Marktwirtschaft.“

Zur Bewertung dieses Reformschritts verwies Röders auf folgende Ausführung von Bundeskanzler Friedrich Merz: „Wenn wir es richtig machen – und wir werden es richtig machen –, dann werden wir im Übrigen ein bis heute nicht eingelöste Reformidee der katholischen Soziallehre umsetzen. Nämlich die bessere Beteiligung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am Produktivvermögen unserer Volkswirtschaft und damit an der Vermögensentwicklung der Volkswirtschaften weltweit.“

Der CGB-Bundesvorsitzende appelliert an alle beteiligten gesellschaftlichen Akteure, die anstehenden Reformen konstruktiv zu begleiten und ideologische Reflexe hinter sich zu lassen. Für ihn ist klar, Deutschland stehe vor großen Herausforderungen. Diese würden sich jedoch weder mit Symbolpolitik noch mit lautstarken Protesten lösen lassen, sondern nur mit Vernunft, Dialogbereitschaft und dem gemeinsamen Willen zur Veränderung.

Bundesrat greift CGB-Forderung nach besserem Schutz für Betriebsratswahlen auf

Die Berichterstattung über die Bundesratssitzung vom 8. Mai wurde beherrscht von der Ablehnung der vom Bundestag beschlossenen steuer- und sozialabgabefreien Inflationsausgleichprämie, wie sie u.a. der CGB zur finanziellen Entlastung der Arbeitnehmer gefordert hatte. Andere Beschlüsse der Länderkammer blieben vielfach unbeachtet. Dies gilt auch für die vom Bundesrat auf Antrag der Länder Bremen und Niedersachsen beschlossene Gesetzesinitiative zur besseren rechtlichen Absicherung von Betriebsratswahlen und der Arbeit von Betriebsräten.

Die Gesetzesinitiative sieht vor, dass zukünftig die Behinderung von Betriebsratswahlen als Offizialdelikt von Amts wegen verfolgt werden muss und nicht erst bei Vorliegen einer Anzeige. Eine entsprechende Gesetzesänderung hatte der Christliche Gewerkschaftsbund bereits auf seinem Bundeskongress 2023 gefordert und darauf hingewiesen, dass es bei Betriebsratswahlen immer wieder zu Versuchen kommt, durch rechtswidrige Einflussnahme auf Beschäftigte die Bildung und Wahl von Betriebsräten zu verhindern. Betriebsangehörige, die sich dieser Einflussnahme durch Anzeigen widersetzen, riskieren Nachteile bis hin zum Verlust ihres Arbeitsplatzes.

Der CGB verweist darauf, dass die Zahl der Betriebsräte in Deutschland auf einen Tiefpunkt gesunken ist. Nach einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) haben nur noch sieben Prozent der Firmen eine Arbeitnehmervertretung. Das jährlich erhobene IAB-Panel geht davon aus, in der Privatwirtschaft nur noch 37 Prozent aller Arbeitnehmer in einem Unternehmen mit einer betrieblichen Interessenvertretung beschäftigt sind. Nach Auffassung des CGB ist der seit längerem zu verzeichnende Rückgang der Zahl der Betriebsräte auch eine Folge der zum Teil massiven Behinderungen von Betriebsratswahlen durch Arbeitgeber. Insbesondere in Zeiten wie diesen, wo aufgrund der anhaltenden Rezession viele Beschäftigte Angst um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes haben, kann es nicht verwundern, wenn die Bereitschaft zur Installation oder Mitarbeit in einer betrieblichen Interessenvertretung sinkt. Die christlichen Gewerkschaften danken daher allen Kolleginnen und Kollegen, die sich dennoch bei den turnusmäßig noch bis zum 31. Mai laufenden Betriebsratswahlen wieder für eine Betriebsratskandidatur zur Verfügung gestellt haben. Dem Bremer Senat und der niedersächsischen Landesregierung danken wir für ihre Bundesratsinitiative und hoffen, dass diese auch Gesetzeskraft erlangt.

Tag der Pflegenden 2026: CGB fordert verlässliche Refinanzierung von Tariflöhnen und wirksame Entlastung für Angehörige

Morgen, am 12. Mai, begehen wir den Internationalen Tag der Pflegenden. Für uns als Christlicher Gewerkschaftsbund (CGB) ist dies kein Tag für bloße Floskeln aus der Politik, sondern ein Moment des entschlossenen Zusammenhalts. Wir sprechen heute für die Fachkräfte in den Einrichtungen, aber ebenso für die Millionen Menschen, die zu Hause ihre Liebsten pflegen oder sich Sorgen um ihre eigene Versorgung im Alter machen. Pünktlich zu diesem Gedenktag blicken wir mit hohen Erwartungen auf den angekündigten Referentenentwurf der „großen“ Pflegereform. Diese Reform darf nicht als bürokratisches Aktenstück enden, sondern muss die Menschen endlich dort erreichen, wo die Not am größten ist.

Unser tief empfundener Dank gilt zuerst all jenen, die in den Krankenhäusern und Heimen jeden Tag über ihre Grenzen gehen. Doch ein ganz besonderes Dankeschön richten wir heute an die pflegenden Angehörigen in Deutschland. Ihr seid das unsichtbare Rückgrat unserer Gesellschaft; ihr stemmt den Mammutanteil der Pflegeleistung und bewahrt das staatliche System vor dem Kollaps. Es ist beschämend, dass dieser Einsatz oft mit Erschöpfung und Armutsrisiken bezahlt wird. Wir fordern deshalb im Zuge der anstehenden Reform echte Entlastung: Wir brauchen einen Rechtsanspruch auf eine angemessene Lohnersatzleistung für Pflegezeiten sowie einen massiven Ausbau von Kurzzeit- und Verhinderungspflegeplätzen, damit die Pflege zu Hause nicht zum sozialen Abseits führt.

Echte Wertschätzung für diese „Helden unseres Gesundheitssystems“ zeigt sich nicht durch Klatschen, sondern durch eine solide finanzielle Absicherung ihrer Arbeit. Wir machen uns stark für die Forderung, dass die Bundesregierung und die Kostenträger die vollständige und uneingeschränkte Refinanzierung aller Tarifsteigerungen gesetzlich garantieren. Es darf nicht sein, dass Einrichtungen bei Tarifabschlüssen auf den Kosten sitzen bleiben oder diese Last einseitig den Pflegebedürftigen und ihren Familien aufgebürdet wird. Gute Pflege braucht gute Arbeitsbedingungen, und dazu gehört eine faire, tariflich abgesicherte Entlohnung ohne Wenn und Aber.

Wir kämpfen dafür, dass tarifliche Lohnsteigerungen künftig zu 100 Prozent in den Vergütungsverhandlungen anerkannt werden, ohne jede Deckelung. Diese Refinanzierung muss ohne bürokratische Hürden oder langwierige Nachweise erfolgen, damit das Geld zeitnah und ohne finanzielle Risiken für die Träger bei den Beschäftigten ankommt. Nur eine vollständige Refinanzierung sichert die Existenz unserer Pflegeeinrichtungen und verhindert, dass wertvolle Fachkräfte den Beruf verlassen. Der CGB wird den anstehenden Reformprozess kritisch begleiten und sich nachdrücklich für die berechtigten Interessen der beruflich und familiär Pflegenden einsetzen.

Eine christlich-gewerkschaftliche Antwort auf die wirtschaftspolitische Rede des Bundeskanzlers: Reformen ja – aber nicht zu Lasten der Arbeitnehmer

Die wirtschaftspolitische Grundsatzrede des Bundeskanzlers beim NRW-Unternehmertag 2026 war ein deutliches Signal: Deutschland soll wirtschaftlich wettbewerbsfähiger, investitionsfreundlicher und leistungsfähiger werden. Der Kanzler spricht von einem „Epochenbruch“, von strukturellen Schwächen, Reformdruck und der Notwendigkeit, Wachstum, Innovation und wirtschaftliche Stärke wieder in den Mittelpunkt zu stellen.

Viele seiner Analysen sind richtig. Deutschland leidet unter:

  • hohen Energiepreisen,
  • überbordender Bürokratie,
  • Investitionsstau,
  • demografischem Wandel,
  • schwachem Wachstum,
  • internationalem Wettbewerbsdruck.

Auch christliche Gewerkschaften wissen:
Ein leistungsfähiger Sozialstaat braucht eine leistungsfähige Wirtschaft. Ohne Wachstum lassen sich weder Renten noch Krankenversicherung, Infrastruktur oder soziale Sicherheit dauerhaft finanzieren.

Und dennoch bleibt bei dieser Rede ein ungutes Gefühl zurück.

Denn trotz aller Bekenntnisse zu sozialer Sicherheit entsteht der Eindruck, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zunehmend unter dem Gesichtspunkt wirtschaftlicher Belastungen betrachtet werden.

Der Mensch ist mehr als ein Produktionsfaktor

Die Rede spricht viel über:

  • Lohnzusatzkosten,
  • Unternehmenssteuern,
  • Wettbewerbsfähigkeit,
  • Produktivität,
  • Kapitalmarkt,
  • Standortqualität.

Das sind wichtige Themen. Aber aus christlich-gewerkschaftlicher Sicht fehlt etwas Entscheidendes – der Mensch.

Die christliche Soziallehre betrachtet Arbeit nicht nur als wirtschaftlichen Faktor, sondern als Ausdruck menschlicher Würde. Arbeit dient nicht allein dem Wachstum, sondern auch:

  • der persönlichen Entfaltung,
  • der Familie,
  • sozialer Teilhabe,
  • dem Gemeinwohl.

Deshalb darf Wirtschaftspolitik niemals ausschließlich unter Effizienzgesichtspunkten betrachtet werden.

„Wir müssen mehr arbeiten“ – aber wer kann das überhaupt?

Besonders kritisch ist die Aussage des Kanzlers, die sozialen Sicherungssysteme könnten nur stabilisiert werden, „indem wir mehr arbeiten“.

Natürlich ist die demografische Realität nicht zu leugnen.
Immer weniger Beitragszahler finanzieren immer mehr Rentner. Darüber muss ehrlich gesprochen werden.

Aber die politische Antwort darf nicht schlicht lauten:
„Dann müssen die Menschen eben länger arbeiten.“

Denn viele Beschäftigte arbeiten bereits heute an ihrer Belastungsgrenze:

  • Pflegekräfte,
  • Handwerker,
  • Beschäftigte in Schichtarbeit,
  • Bauarbeiter,
  • Industriearbeiter,
  • Verkäuferinnen,
  • Reinigungskräfte,
  • Logistikbeschäftigte.

Wer jahrzehntelang körperlich oder psychisch belastend gearbeitet hat, erreicht das Rentenalter oft erschöpft und gesundheitlich angeschlagen.

Eine christliche Gewerkschaft muss deshalb klar sagen:

Arbeit im Alter darf eine Möglichkeit sein – aber niemals ein gesellschaftlicher Zwang werden.

Die Würde des Menschen endet nicht mit der wirtschaftlichen Verwertbarkeit seiner Arbeitskraft.

Kapitalgedeckte Vorsorge – sinnvoll, aber sozial nicht ausreichend.

Der Kanzler setzt stark auf kapitalgedeckte Altersvorsorge und eine stärkere Beteiligung der Arbeitnehmer am Produktivvermögen.

Das entspricht durchaus Elementen der sozialen Marktwirtschaft. Eigentumsbildung für breite Bevölkerungsschichten war immer auch Teil christlich-sozialer Ideen.

Aber die Realität bleibt:
Wer wenig verdient, kann wenig sparen.

Gerade Menschen mit:

  • niedrigem Einkommen,
  • Teilzeitbiografien,
  • Familienzeiten,
  • unterbrochenen Erwerbsverläufen

haben oft kaum Spielraum für private Vorsorge.

Deshalb bleibt die gesetzliche Rentenversicherung unverzichtbar. Sie ist kein Auslaufmodell, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Solidarität zwischen den Generationen.

Eine christliche Gewerkschaft würde daher davor warnen, die Verantwortung für Altersvorsorge zu stark auf den Einzelnen zu verlagern.

Wettbewerbsfähigkeit darf soziale Balance nicht zerstören

Richtig ist:
Deutschland braucht dringend mehr Investitionen und schnellere Verfahren.

Auch christliche Gewerkschaften unterstützen:

  • Bürokratieabbau,
  • Digitalisierung,
  • schnellere Genehmigungen,
  • Modernisierung des Staates.

Aber die Rede weckt gleichzeitig die Sorge, dass unter dem Schlagwort „Entlastung“ schleichend soziale Standards unter Druck geraten könnten.

Denn soziale Rechte sind keine „Standortnachteile“, sondern Ausdruck unserer Werteordnung:

  • Arbeitsschutz,
  • Tarifbindung,
  • Mitbestimmung,
  • soziale Sicherung,
  • Umweltstandards,
  • Arbeitnehmerrechte.

Die soziale Marktwirtschaft war gerade deshalb erfolgreich, weil sie wirtschaftliche Freiheit mit sozialer Verantwortung verbunden hat.

Die christliche Soziallehre ist mehr als Marktwirtschaft

Der Kanzler beruft sich mehrfach auf die christliche Soziallehre. Das ist grundsätzlich erfreulich. Aber die christliche Soziallehre umfasst weit mehr als Eigentumsbildung und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.

Sie beruht auf:

  • Personalität,
  • Solidarität,
  • Subsidiarität,
  • Gemeinwohlorientierung,
  • Verantwortung für die Schwächeren.

Gerade die Schwächeren kommen in der Rede aber nur am Rande vor.

Es fehlt eine stärkere Perspektive auf:

  • Familien,
  • Pflegebedürftige,
  • Menschen mit kleinen Einkommen,
  • Alleinerziehende,
  • prekär Beschäftigte,
  • Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen.

Eine christliche Gewerkschaft fragt nicht nur:
„Wie machen wir Deutschland wettbewerbsfähiger?“
Sondern auch:
„Wie erhalten wir sozialen Zusammenhalt, Würde und Gerechtigkeit?“

Deutschland braucht Reformen – aber mit sozialem Gleichgewicht

Der Kanzler hat recht:
Deutschland darf nicht in wirtschaftlicher Selbstzufriedenheit verharren. Reformen sind notwendig.

Aber Reformen werden nur gesellschaftlich akzeptiert werden, wenn sie fair verteilt sind.

Die Lasten dürfen nicht einseitig:

  • auf Arbeitnehmer,
  • Familien,
  • Beitragszahler,
  • ältere Beschäftigte

abgewälzt werden.

Eine christliche Gewerkschaft würde deshalb fordern:

  • stärkere Tarifbindung,
  • bessere Familienförderung,
  • mehr Investitionen in Bildung und Ausbildung,
  • faire Beteiligung großer Vermögen,
  • sichere Renten,
  • Schutz belastender Berufe,
  • stärkere Mitbestimmung,
  • soziale Balance bei allen Reformen.

Zukunft braucht mehr als Wirtschaftskraft

Die Rede endet mit einem Appell an Optimismus, Innovation und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das ist richtig und wichtig.

Deutschland hat enormes Potenzial:

  • starke Unternehmen,
  • hervorragende Fachkräfte,
  • innovative Forschung,
  • einen leistungsfähigen Mittelstand,
  • engagierte Beschäftigte.

Aber wirtschaftliche Stärke allein reicht nicht aus.

Eine Gesellschaft bleibt nur dann stabil, wenn Menschen das Gefühl haben:

  • dass Leistung anerkannt wird,
  • dass soziale Sicherheit verlässlich bleibt,
  • dass Arbeit nicht krank macht,
  • dass Alter Würde bedeutet,
  • dass Familien unterstützt werden,
  • dass wirtschaftlicher Fortschritt allen zugutekommt.

Genau dafür steht die christliche Gewerkschaftsbewegung:
für eine soziale Marktwirtschaft mit menschlichem Maß.

Denn am Ende darf nicht allein die Frage zählen, wie wettbewerbsfähig ein Land ist.
Entscheidend ist auch, wie gerecht, solidarisch und menschenwürdig es bleibt.

Zwischen Klassenkampf und Sozialpartnerschaft: Eine christlich-gewerkschaftliche Antwort auf die Mairede des DGB NRW

Die Mairede des DGB-Landesvorsitzenden Thorben Albrecht war kämpferisch, emotional und geprägt von klaren politischen Botschaften. Viele seiner Anliegen verdienen Zustimmung wie der Schutz von Arbeitnehmerrechten, die Sicherung industrieller Arbeitsplätze, Investitionen in Bildung, bezahlbares Leben und eine soziale Absicherung in Krisenzeiten.

Und doch offenbart die Rede ein grundlegendes Problem moderner DGB-Rhetorik. Sie bleibt in einem alten Denken von gesellschaftlichen Lagern und Gegensätzen gefangen. Arbeitgeber hier, Arbeitnehmer dort. Unternehmen gegen Beschäftigte. Reiche gegen die Gesellschaft. Politik gegen Gewerkschaften.

Aus Sicht christlicher Gewerkschaften greift dieses Weltbild zu kurz.

Die Soziale Marktwirtschaft lebt von Partnerschaft – nicht von Polarisierung

Die christliche Soziallehre betrachtet Arbeit nicht als Instrument des Klassenkampfes, sondern als Teil der Würde des Menschen und als Beitrag zum Gemeinwohl. Arbeitnehmer und Arbeitgeber stehen nicht in einem natürlichen Feindschaftsverhältnis. Beide tragen Verantwortung für den wirtschaftlichen und sozialen Erfolg unseres Landes.

Gerade Nordrhein-Westfalen war jahrzehntelang stark, weil Sozialpartnerschaft funktionierte:

  • starke Industrie,
  • starke Tarifpartner,
  • Mitbestimmung,
  • wirtschaftliche Vernunft,
  • soziale Verantwortung.

Die Rede Albrechts dagegen arbeitet vielfach mit moralischer Zuspitzung. Unternehmen erscheinen primär als profitorientierte Akteure, Aktionäre als gesellschaftliches Problem, Vermögende als Ursache sozialer Missstände.

Doch eine moderne Volkswirtschaft funktioniert nicht ohne Investitionen, unternehmerisches Risiko und wirtschaftlichen Erfolg. Gewinne sind nicht automatisch unmoralisch. Sie finanzieren Innovation, Forschung, Arbeitsplätze und Altersvorsorge.

Nicht Gewinnstreben an sich ist das Problem, sondern Verantwortungslosigkeit.

Der Sozialstaat braucht wirtschaftliche Stärke

Richtig ist: Viele Menschen erleben Verunsicherung. Preise steigen, Wohnraum fehlt, Kommunen sind überlastet, Infrastruktur verfällt. Viele Beschäftigte fühlen sich unter Druck.

Aber die Antwort kann nicht allein mehr Staat, mehr Umverteilung und mehr Regulierung sein.

Denn der Sozialstaat lebt von einer leistungsfähigen Wirtschaft. Wer soziale Sicherheit erhalten will, muss auch über Wettbewerbsfähigkeit, Produktivität und Wachstum sprechen.

Genau hier bleibt die Rede auffällig einseitig.

Kaum erwähnt werden:

  • hohe Energiepreise,
  • Bürokratie,
  • Fachkräftemangel,
  • sinkende Produktivität,
  • demografischer Wandel,
  • internationale Konkurrenz,
  • Investitionshemmnisse.

Deutschland hat nicht nur ein Verteilungsproblem. Deutschland hat zunehmend ein Struktur- und Leistungsproblem.

Darüber muss ehrlich gesprochen werden.

Arbeitszeitdebatten brauchen Realitätssinn

Der Satz „8 Stunden Arbeit am Tag sind genug“ mag auf einer Kundgebung Beifall bringen. Aber die Arbeitswelt des Jahres 2026 ist komplexer als die des Industriezeitalters.

Viele Beschäftigte wünschen heute:

  • flexible Arbeitszeiten,
  • Homeoffice,
  • individuelle Lebensarbeitszeitmodelle,
  • mehr Eigenverantwortung.

Natürlich darf Flexibilität nicht zur Ausbeutung führen. Der Schutz der Gesundheit bleibt zentral. Doch starre ideologische Abwehrhaltungen helfen weder Arbeitnehmern noch Unternehmen.

Eine christliche Gewerkschaft würde deshalb nicht reflexhaft jede Veränderung ablehnen, sondern fragen:
Wie schaffen wir humane und zukunftsfähige Arbeitsbedingungen?

Soziale Gerechtigkeit braucht auch Generationengerechtigkeit

Albrecht verteidigt entschieden Renten-, Sozial- und Krankenversicherungssysteme. Das ist legitim und notwendig. Doch die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet:
Wie finanzieren wir diese Systeme dauerhaft?

Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente. Immer weniger Beitragszahler müssen immer mehr Leistungen finanzieren.

Eine verantwortungsvolle Sozialpolitik braucht deshalb:

  • solide Finanzen,
  • wirtschaftliches Wachstum,
  • mehr Beschäftigung,
  • bessere Qualifikation,
  • höhere Produktivität.

Die christliche Sozialethik verbindet Solidarität immer auch mit Verantwortung und Nachhaltigkeit. Wer nur verteilt, ohne neue wirtschaftliche Stärke zu schaffen, gefährdet langfristig genau den Sozialstaat, den er retten will.

Migration: Humanität braucht Ordnung

Richtig ist auch: Menschen mit Migrationsgeschichte gehören zu unseren Betrieben, unseren Städten und unserem Land. Viele leisten täglich wertvolle Arbeit.

Doch die Rede blendet die realen Herausforderungen von Integration weitgehend aus:

  • überforderte Kommunen,
  • Bildungsprobleme,
  • Wohnraummangel,
  • Integrationsdefizite,
  • Belastungen sozialer Systeme.

Christliche Sozialethik bedeutet:
Humanität UND Ordnung.
Solidarität UND Verantwortung.

Weder pauschale Ausgrenzung noch naive Verharmlosung helfen weiter.

Gewerkschaften dürfen nicht parteipolitisch verengt werden

Besonders problematisch ist die zunehmende politische Einseitigkeit vieler DGB-Reden. Gewerkschaften vertreten Arbeitnehmer unterschiedlichster politischer Überzeugungen.

Wer Gewerkschaften zu stark in ein parteipolitisch linkes Lager führt, riskiert, viele Beschäftigte innerlich zu verlieren.

Christliche Gewerkschaften waren historisch oft erfolgreicher darin, Brücken zu bauen:

  • zwischen Arbeit und Wirtschaft,
  • zwischen sozialer Sicherheit und Eigenverantwortung,
  • zwischen Tradition und Modernisierung.

Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung braucht Deutschland weniger ideologische Zuspitzung und mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Die Zukunft liegt in der sozialen Marktwirtschaft – nicht im alten Lagerdenken

Die großen Herausforderungen unserer Zeit lassen sich weder mit neoliberalen Marktphantasien noch mit staatlichem Verteilungsdenken lösen.

Deutschland braucht:

  • eine starke Industrie,
  • innovative Unternehmen,
  • gute Arbeitsplätze,
  • soziale Sicherheit,
  • stabile Familien,
  • leistungsfähige Bildung,
  • generationengerechte Finanzen,
  • funktionierende Infrastruktur.

Dafür braucht es nicht Klassenkampf, sondern Verantwortungspartnerschaft.

Die christliche Soziallehre bietet dafür weiterhin einen überzeugenden Kompass:

  • Solidarität,
  • Subsidiarität,
  • Gemeinwohl,
  • Verantwortung,
  • Maß und Mitte.

Gerade in Krisenzeiten sollte das unser Weg sein. Nicht die Spaltung der Gesellschaft in Gegner und Schuldige, sondern die gemeinsame Verantwortung für Arbeit, Wohlstand und sozialen Frieden.

Rückenwind für die Christlich-Sozialen nach Kanzler-Rede auf CDA-Bundestagung

„Auftritt beim sozialpolitischen Flügel der Union dürfte kein Heimspiel werden“, hatte der CGB vor der ange­kündigten Rede von Friedrich Merz auf der CDA-Bundestagung am 25. April getitelt. Und tatsächlich wurde der Kanzler und CDU-Vorsitzende in Marburg von mehreren tausend Demonstranten erwartet, die u.a. gegen die Ankündigung von Merz, die gesetzliche Rentenversicherung werde allenfalls noch eine Basisabsicherung sein, protestierten. Auch im Saal zunächst nur verhaltener Beifall für den Regierungschef. Doch dann Erleichterung bei den Tagungsteilnehmern. In seiner Rede ruderte Merz zurück und verkündete, dass die gesetzliche Rentenversicherung Basisversorgung für die Altersversorgung bleibt. Rentenkürzungen schloss der Kanzler definitiv aus. Seine Ankündigung, dass kapitalgedeckte Altersversorgungssysteme zukünftig ein stärkeres Gewicht erhalten sollen, fand auch den Beifall vieler Delegierter.

Die Rede von Merz hat in den Medien und in der Öffentlichkeit starke Beachtung gefunden und der CDA und den Christlich-Sozialen insgesamt Rückenwind verschafft. Der mit 87% wiedergewählte CDA-Bundesvorsitzende Dennis Radtke nutzte dies, um gegenüber dem Kanzler die Einbindung der Sozialpartner und So­zialverbände bei den anstehenden Reformen einzufordern. Er hat dabei die Unterstützung der christlichen Gewerkschaften wie auch die des CGB-Vorsitzenden Henning Röders, der in seinem schriftlichen Grußwort an die gemeinsamen Wurzeln von CDA und CGB in der christlichen Soziallehre erinnerte und dazu aufrief, das soziale Profil der Marktwirtschaft wieder konsequent als Kernaufgabe wahrzunehmen.

Bei der politischen Positionierung der CDA auf ihrer Bundestagung waren die christlichen Gewerkschaften u.a. über die Anträge der CDA/CGB-Bundesarbeitsgemeinschaft aktiv beteiligt. So sprach sich die Bundestagung auf Antrag der CDA/CGB-AG für die Erstellung eines digitalen Tarifregisters aus sowie gegen eine Novellierung des Arbeitszeitgesetzes, die eine Abkehr von der täglichen Höchstarbeitszeit zugunsten einer wöchentlichen Betrachtung mit täglichen Arbeitszeiten von bis zu 13 Stunden vorsieht. Weiterhin forderte Bundestagung auf Antrag der CDA/CGB-AG die Arbeitnehmergruppe in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion auf, sich für rasche und umgehende Novellierungen der Betriebsverfassungsgesetzes, des Bundespersonalvertretungsgesetzes sowie des Soldatengesetzes hinsichtlich der fortschreitenden Entwicklung von GenAI einzusetzen. Ein Antrag der AG auf eine effektive und arbeitnehmerfreundliche Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie wurde von der Bundestagung ebenfalls an die Arbeitnehmergruppe verwiesen. Zur Forderung der christlichen Gewerkschaften nach einem „Hände weg vom Ehegattensplitting“ fasste die Bundestagung einen Beschluss, in dem es heißt: „Das Ehegattensplitting ist ein verfassungsrechtlich abgesichertes Besteuerungsprinzip, das der Förderung von Ehe und Familie dient. Die Bundestagung fordert daher den CDA-Bundesvorstand und die Arbeitnehmergruppe der CDU-CSU-Bundestagsfraktion auf, sich für eine Abschaffung der Lohnsteuerklassen III und V sowie eine Weiterentwicklung hin zu einem Familiensplitting einzusetzen.“

Im neuen CDA-Bundesvorstand sind die christlichen Gewerkschaften durch den 64-jährigen stellvertretenden brandenburgischen CDA-Landesvorsitzenden Michael Wolter vertreten, der als Mitglied des Bundesverban­des Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. seit Jahren auch engagierter Vertreter für die Interessen Behinderter ist, sowie durch den Vorsitzenden der CDA/CGB-Arbeitsgemeinschaft Ulrich Bösl, der dem Vorstand kraft Amtes angehört.